Aktiv auf fünf Kontinenten
und über 40 Ländern. Ihr Hauptprodukt: Kokain. Ich kenne kaum eine Organisation im Bereich
der organisierten Kriminalität, die so erfolgreich ist
wie die 'Ndrangheta. Ihr Erfolgsrezept:
die Arbeit im Verborgenen. Die 'Ndrangheta. Und die Omertà, die Schweigepflicht.
(Düstere Klänge) Ohne Kamera. (off:) Nach Italien ist Deutschland eines der wichtigsten Länder
für die Mafia. (on:) Ah ja,
hier ist Tropenholz aus Guyana. (off:) Geschätzter Jahresumsatz:
rund 50 Milliarden Euro. (Düstere Musik) (englisch:) Wer Geld hat, hat auch Macht.
Und wer Macht hat, ist gefährlich. (off:) Wie arbeitet
die 'Ndrangheta in Deutschland? Und warum ist sie so mächtig? Guten Tag, bitte nehmen Sie Platz. (Elektronische Klänge) Wir sind in Kalabrien. Im Süden Italiens.
(Erwartungsvolle Musik) In Locri ist der Auftakt
eines wichtigen Gerichtsprozesses. Ein Prozesstag
infolge der Operation Eureka, den bisher größten Ermittlungen
gegen die 'Ndrangheta weltweit. (Erwartungsvolle Musik) Mit 132 Festnahmen in zehn Ländern,
über 20 davon in Deutschland. (Gespannte Klänge) Es geht um 25 Tonnen Kokain, Geldflüsse
in Höhe von 22 Millionen Euro und den Besitz von Kriegswaffen. Das Interessante ist: Einige von den Beschuldigten
wurden in Deutschland festgenommen und sind dann quasi hier angeklagt. (off:) Einer der Angeklagten
kommt uns schon am Eingang entgegen. (englisch:) (Gemurmel)
Äh, no. (Leise Stimmen) Es ist Antonio M. aus Napoli,
aktiv in München. Ihm wird vorgeworfen, 75.000 Euro gewaschen zu haben. Das Geld soll
für den Kauf eines Autos zum Rauschgifttransport gewesen sein. Antonio M. besitzt einen
Gebrauchtwagenhandel in München, den er auch ausgiebig
in sozialen Netzwerken präsentiert. (Düstere Klänge) "Guten Abend, guten Abend." "Ich mache dieses Video heute
für meine Kunden in Deutschland." (off:) Antonio
hat keinen Gesprächsbedarf. Über seinen Anwalt
lässt er ausrichten, er habe auch kein Interesse daran, dass sein Name
in Deutschland kursiere. Dann geht der Prozess los. (Leise Stimmen) (Die Richterin
sagt etwas auf Italienisch.) Ein weiterer Angeklagter
ist aus dem Gefängnis zugeschaltet: Benjamino G., auch aus München. Ihm wird vorgeworfen,
als Mitglied der 'Ndrangheta Kokainlieferungen
finanziert zu haben. Zudem soll er Geld in seinem Unternehmen
in München gewaschen haben. In einem Werbevideo präsentiert er
stolz seine Autowäscherei. "Freue mich sehr, dass wir heute
die *** vorstellen können, Herr ***." "Wie muss man sich das vorstellen?" "Wir sind angekommen, wie geht es
weiter mit der Reinigung des Autos?" "Der Kunde bringt zu uns das Auto,
hat normalerweise einen Termin." "Das wäre wünschenswert,
sonst hat er eine Wartezeit, das wäre nicht so schön." "Wenn er mit einem Termin kommt,
hat er etwa zwei Stunden." Über seinen Anwalt bestreitet
Benjamino G. alle Vorwürfe. Er sei kein Mitglied der 'Ndrangheta
und völlig unschuldig. Er hoffe, nach Deutschland
zurückkommen zu können, wo er ein anerkannter und geachteter
Unternehmer gewesen sei. (Jemand sagt etwas auf Italienisch.) Warum kommen so viele vermeintliche
Mafiosi aus Deutschland? Was ist die Verbindung zwischen
Kalabrien und der Bundesrepublik? (Nachdenkliche Klänge) Um das zu verstehen,
muss man ein bisschen ausholen. Die italienische Mafia
hat ihren Ursprung Mitte des 19. Jahrhunderts
auf Sizilien. Dort entsteht die Cosa Nostra,
zu Deutsch: "Unsere Sache". Ihre Mitglieder sind damals Banditen,
die Schutzgeld erpressen und morden. So entwickelt sich auf Sizilien
ein Staat im Staat. (Beklemmende Klänge) Unser modernes Bild von der Mafia ist geprägt von Hollywoodfilmen
wie "Der Pate". Hier eine ikonische Szene
aus dem Filmtrailer: "Dann wird dieser Hollywoodboss
dir geben, was du willst." (Fotoklicken)
"Ich habe keine Chance." "Ich mach ihm ein Angebot,
das er nicht ablehnen kann." Durch Filme und Bücher wird die Mafia
zu einem popkulturellen Phänomen. Doch die Gefahr,
die von ihr ausgeht, ist real. 1992, zwei Jahre
nach dem letzten "Pate"-Film, wird der Richter
und Mafiajäger Giovanni Falcone von der Cosa Nostra ermordet. "Die 1.000-Kilo-Bombe hat einen ganzen Straßenabschnitt
in die Luft fliegen lassen." "Der Sprengstoff
wurde genau in dem Moment gezündet, als Falcones Wagen, eskortiert
von fünf Polizeifahrzeugen, die Stelle passierte, wo der
Sprengstoff versteckt worden war." Wenige Monate später
wird auch dessen Nachfolger, der Richter Paolo Borsellino,
mit einer Bombe getötet. (Beklemmende Klänge) Nach diesen Attentaten
konzentrieren sich Polizei und Justiz besonders
auf die sizilianische Mafia. So konnte im Stillen quasi die 'Ndrangheta
aus Kalabrien groß werden. Sie soll heute
zu den mächtigsten Gruppierungen der organisierten Kriminalität
zählen. Sie soll den internationalen
Kokainhandel dominieren. Geschätzter Jahresumsatz
50 Milliarden Euro. Das wäre mehr als Porsche.
Also, der Jahresumsatz von Porsche. Und nach Italien ist Deutschland eines der wichtigsten Länder
für die 'Ndrangheta. Unter anderem auch das Ruhrgebiet,
speziell Duisburg, wo ich aufgewachsen bin. Und da fahren wir jetzt mal hin. (off:) In meiner Heimatstadt Duisburg
kommt es 2007 zu einer Tat, die weltweit für Aufsehen sorgt. Ein Sechsfachmord
vor dem Restaurant "Da Bruno". (Düstere Klänge) "Um halb drei in der Nacht
knallen unzählige Schüsse in der Nähe des Hauptbahnhofs
in Duisburg." "Die Ermittler finden in zwei Autos
die Leichen von sechs Italienern." "Die Fehde zwischen den Mafia-Clans wird jetzt
auch in Deutschland ausgetragen." Der Haupttäter, Giovanni Strangio,
ebenfalls aus Kalabrien, wird 2009 gefasst. Meine Mutter hat damals
bei der Duisburger Polizei gearbeitet und die Ermittlungen unterstützt. 15 Jahre später
stehe ich am ehemaligen Tatort und warte auf jemanden,
der damals auch ermittelt hat. Es ist Punkt elf Uhr.
Und er ist da. Moin, Herr Neiß. Schön,
dass Sie es einrichten konnten. Natürlich.
- Vielen Dank. (off:) Wolfgang Neiß
war damals bei der Duisburger Polizei und Leiter der Abteilung
Organisierte Kriminalität. (Leise Stimmen) Über 50 Schüsse wurden abgegeben. Was haben Sie damals
als Ermittler gedacht? Ja, das ... Normalerweise mit den
kriminalistischen Erfahrungen, die man hat, deutet das hin
auf eine Wuttat, nicht? Auf eine Vergeltungstat, nicht?
Das macht man sonst nicht. Wenige Schüsse reichen, um sonst den Tod eines Menschen
herbeizuführen. Aber da war viel Emotion dahinter,
ne? (off:) Der Mord
war der Höhepunkt einer Fehde zwischen zwei 'Ndrangheta-Clans
aus dem Dorf San Luca in Kalabrien. Wolfgang Neiß habe bereits gewusst, dass die 'Ndrangheta
in Duisburg operiert. Kokain aus den Niederlanden
importiert. Aber das Ausmaß
sei ihm dann erst klar geworden. Wir haben eine Erhebung in Duisburg
gemacht. - Ja. Wie viele Menschen
kommen aus San Luca? Es waren ungefähr 80. Die italienischen Kollegen
antworteten uns mit einer Verzögerung
von ungefähr einem Jahr damals, dass sie fast alle
der 'Ndrangheta angehörten, alle Angehörige von Familien
der 'Ndrangheta waren. Also, 1984 war schon klar: Circa 80 Personen aus San Luca
leben in Duisburg? - Ja. Und fast alle
gehören auch Familien an, die der 'Ndrangheta
zugeordnet werden. Das ist Da Bruno hier damals. Was haben Ihre Ermittlungen
damals eigentlich gezeigt? Natürlich war das ein Stützpunkt,
nicht? Das war Dreh- und Angelpunkt,
dort traf man sich. Bei der Durchsuchung hier hat
man gefunden eine Präzisionswaffe. Also, die schienen geahnt zu haben, dass es ein Gefecht geben könnte
mit anderen. Also, das war hier
schon eine Zentrale, ne? (off:) Als Reaktion auf die
Duisburg-Morde soll die 'Ndrangheta laut MDR-Informationen in Deutschland
ein Gremium gegründet haben, den "Crimine di Germania", eine Art Aufsichtsrat
aus den wichtigsten Vertretern. Auch ein Mann aus Duisburg
soll Mitglied sein. Durch den Rat sollen blutige
Konflikte unbedingt vermieden werden. Denn Aufmerksamkeit
ist schlecht fürs Geschäft. (Nachdenkliche Klänge) Wir stehen in Düsseldorf
vorm sogenannten Terrorbunker. Das ist ein Gerichtssaal. Hier läuft seit vier Jahren
das Pollino-Verfahren. Ein Mafia-Verfahren, da legt
die Staatsanwaltschaft Wert drauf. Auch meine ehemalige
Lieblingseisdiele in Duisburg spielt eine Rolle in diesem Verfahren (off:) In diesem Verfahren
sind acht Männer angeklagt mit italienischen
und türkischen Wurzeln. Sie sollen mit marokkanischen
und albanischen Personen zusammengearbeitet haben. Deshalb der Spitzname
"Mafia und Co KG". Vorwurf: unter anderem Drogenhandel, und Mitgliedschaft beziehungsweise
Unterstützung der 'Ndrangheta. Guten Tag, bitte nehmen Sie Platz. Dieser Prozess stützt sich
auf einen Kronzeugen: Giuseppe T. Er soll lange Zeit Kokainbroker
für die 'Ndrangheta gewesen sein, habe also in Lateinamerika die Deals mit den Kokainherstellern
eingefädelt. (Gespannte Klänge) Schon zuvor, mit 19 Jahren, saß er für andere Straftaten
im Gefängnis. Obwohl er dort
mehrfach gefragt worden sei, wäre er aber nie offiziell Mitglied
der 'Ndrangheta gewesen. Aber: "Ich stand dennoch
den 'Ndrangheta-Familien aus meinem Heimatdorf nahe." "Ich benötigte ihre Nähe,
um mit Drogen handeln zu können." Denn als Giuseppe T.
aus dem Gefängnis entlassen wird, begann erst seine Karriere
als Kokainbroker. Laut Giuseppe T. werden 90 Prozent
des Geldes aus dem Kokainhandel in den Niederlanden oder Deutschland
gewaschen. Vor allem mit Restaurants und Autos. Warum nicht in Italien? Weil es dort
eine Bargeld-Obergrenze gibt. (Bedrohliche Musik) Der Kokainhandel läuft wohl so ab: Im Vorfeld einigt man sich
mit den südamerikanischen Lieferanten auf einen Preis
für Ware und Transportkosten. "Dann sprachen wir
mit den verschiedenen Familien, wer investieren wollte,
und wir legten die Menge fest." "Zu 90 Prozent begab sich
einer von uns dorthin vor Ort." "Argentinien, Uruguay, Brasilien." Wenn alles in Ordnung war, hat die Person das Okay
nach Italien gegeben. Jeder investiert die Summe,
die er gerade zur Verfügung hat. Die Gewinne entsprechen
den investierten Anteilen. (Bedrohliche Musik) "Im Drogenhandel gibt es das nicht, dass man dem Boss
einen Anteil geben muss." "Derjenige,
der investiert, verdient." (Bedrohliche Musik) Die Gruppierung, für die Giuseppe T.
als Broker gearbeitet hat, soll laut Anklage
also Kokain aus Guyana und Kolumbien über Rotterdam und Antwerpen
nach Deutschland geliefert haben. Um das Kokain zu tarnen, soll
die Gruppe zunächst geplant haben, das Kokain zu verflüssigen
und es dann Holzkohle beizumischen. Der Plan musste allerdings
verworfen werden. Stattdessen sollen sie das Kokain in einer Lieferung Schnittholz
versteckt haben. Dazu soll ein Firmennetzwerk
gedient haben, eine Scheinfirma in Düsseldorf, Restaurants in Venray, Venlo und Wesseling sowie Eiscafés in Brüggen und Duisburg als Stützpunkte zur Planung. Zudem Lagerhallen in Hürth und Schwalmtal. Doch die zentrale Frage des
Pollino-Prozesses ist eine andere: Ist die 'Ndrangheta eine
kriminelle Vereinigung oder nicht? Ist es also eine Organisation mit
festen Hierarchien und Strukturen, die ein gemeinsames
kriminelles Interesse verfolgt? (Leise Stimmen) Diese Frage entbrennt unter anderem
um diesen Angeklagten: Giovanni G. aus San Luca. Giovanni G. saß auch
vor dem Pollino-Verfahren schon mal etwa 20 Jahre lang in Haft. In den 80er-Jahren hatte er den
Geschäftsmann Carlo De Feo entführt. Der beschreibt seine Erfahrungen
in einem eindrücklichen Interview. (italienisch:) (Bewegte Klaviermusik) Giovanni Gs Anwalt sagt uns,
die Entführung damals habe nichts mit der 'Ndrangheta
zu tun gehabt. Zugleich ist allerdings bekannt, dass die 'Ndrangheta mit Entführungen
zwischen 1970 und 1990 bis zu 400 Millionen Euro
umgesetzt haben soll. Die Rede ist sogar von einer
regelrechten Entführungsindustrie. Jetzt ist Giovanni G.
erneut angeklagt. Die Vorwürfe: Drogenhandel und
Mitgliedschaft in der 'Ndrangheta. Wir treffen seinen Anwalt. (Starre Klänge, leise Stimmen) Wie bewerten Sie quasi die Vorwürfe
gegenüber Ihrem Mandanten? Wie ich die bewerte? Zu dem ... einen Anklagepunkt
Handel treiben mit einem Kilo Kokain, hat er sich ja geständig eingelassen,
hat er zugegeben. Dann gibt's noch den Vorwurf der
Mitgliedschaft in der 'Ndrangheta. Genau. Konnten Sie ja grade hören. Da haben wir uns
ja auch nicht eingelassen. Auch nicht erklärt so. Das Gericht
beziehungsweise die Kammer sieht diesen Vorwurf
auch nicht als gegeben an. Und, äh, ja, ganz anders
die Staatsanwaltschaft. Die würden diesen Anklagepunkt
ja auch nicht fallen lassen, damit es zu einer Verständigung
kommen, kommen könnte. Will man sich quasi
aus verteidigungstaktischen Gründen dazu nicht äußern? Oder hat das was
mit der sogenannten Omertà zu tun? Dass man sich zu dieser
Mitgliedschaft nicht äußern will. Oder kann. Der Mandant hat ein Schweigerecht,
und davon macht er jetzt ... in diesem, in diesem, äh, Punkt
macht er Gebrauch. Können Sie Schweigerecht nennen,
können Sie Omertà nennen. Aber er hat das Recht, hat jeder. Und ja, können Sie zwar begrifflich
diskreditieren ein bisschen, aber ... Das ist, äh, ja ... Hat er ja. Das Recht hat er. (off:) Der Kokainhandel soll also nicht durch
die Organisation 'Ndrangheta getätigt worden sein, sondern als
isolierte Straftat betrachtet werden. So würde das System dahinter
unsichtbar bleiben. Bis heute gibt es in Deutschland
nur ein einziges Urteil, das die 'Ndrangheta
als kriminelle Vereinigung erkennt. Die Staatsanwaltschaft
will aber genau das ändern. (Nachdenkliche Klänge) Übrigens, die Zahlen hier oben,
die verweisen immer auf Quellen oder weiterführende Informationen
in unserem Recherchedokument. Dieses Doc findet ihr
in der Videobeschreibung. Köln. Ein Antimafia-Seminar. Veranstaltet vom Verein
"Mafianeindanke". Wir treffen die Soziologin Zora
Hauser von der Universität Oxford. (Nachdenkliche Musik) Man könnte sagen, dass Duisburg
wirklich eine Ausnahme war. Diese sechs Leute
haben die 'Ndrangheta die Aufmerksamkeit gekostet. Und das will sie nicht. Und deswegen, was wir sehen,
und das ist eine Strategie, die wir in Deutschland
sehr klar deutlich gesehen haben, ist, unter dem Radar zu bleiben,
leise zu bleiben. Gewalt nur benutzen,
wenn es wirklich notwendig ist. Und nicht, wenn es
schlecht für das Geschäft ist. (off:) Laut Hauser
ist Deutschland so attraktiv, weil es hier in der Regel
kein Limit für Bargeldgeschäfte gibt und die Wirtschaft stark ist. Ein Geldwäsche-Paradies. Mittlerweile hat die EU eine Obergrenze für Barkäufe
von 10.000 Euro festgelegt, die ab 2027 in Kraft treten soll. (Leise Erklärungen) Was ich aber auch immer wieder
darauf hinweisen möchte: Es geht nicht nur um Geldwäsche. Weil das ist ja nur der erste Step,
den wir sehen. Da wird Geld investiert, da haben wir
eben diese Restaurants, diese Gastronomien, diese Eiscafés. Die sind aber dann
Teil der Gesellschaft. Und was ist die Konsequenz davon? Das ist, dass man natürlich
in die Gesellschaft integriert. Dass man aber so integriert, dass man die kriminelle Struktur
nicht mehr sieht. Also, wenn man
zum Italiener geht essen, dann kann man
sich fast nicht vorstellen, dass das, was dahintersteht,
eine kriminelle Struktur ist, die seit 150 Jahren existiert,
die gewalttätig ist, und die tief
in zum Beispiel Drogenhandel, aber auch Waffenhandel
verwickelt ist. Das kann man nicht mehr sehen. Dann kann man diese zwei Bilder,
die sehr unterschiedlich sind, einfach nicht wieder zusammenbringen. Die Konsequenz davon ist natürlich,
dass eine kriminelle Struktur, dass die dann so aussieht, als ob nichts mehr
an krimineller Aktivität da wäre. Auch für den Pollino-Prozess
mit dem Kokainbroker soll meine Heimatstadt Duisburg
eine Rolle gespielt haben. Ich will ein paar Stationen abfahren,
um den Weg des Kokains zu verfolgen. (Geheimnisvolle Musik) Früher war das
meine Lieblingseisdiele, weil hier immer ... Der Schulweg ging hier auch lang. Und, äh, nachmittags
hat man sich dann auf dem Schulweg nach "Feierabend" so in dem Sinn,
auf dem Schulweg mal ein Eis geholt. Ja, dann wurde die 2018
einfach hochgenommen. War natürlich überraschend für mich. (off:) Im Zuge der Ermittlungen
wurde das Eiscafé durchsucht. Der ehemalige Mitarbeiter Bruno G., angeklagt unter anderem
wegen Drogenhandels und Mitgliedschaft
in der 'Ndrangheta, saß vier Jahre in Untersuchungshaft. Mittlerweile ist er
wieder auf freiem Fuß, soll erneut für die Eisdiele
tätig gewesen sein. Wir versuchen, ihn anzusprechen.
Er ist nicht da. Auch die heutigen Betreiber
der Eisdiele sagen uns nichts zu dem Fall. Und vor Gericht deutet sich
für Bruno G. sogar ein Freispruch an. (Düstere Klänge) An dieser Stelle ist uns eine
Anmerkung ganz besonders wichtig. Das bedeutet natürlich jetzt nicht, dass jede italienische Eisdiele
oder jedes italienische Restaurant von der Mafia unterwandert wäre. Oder dass man jede Person, die in der
italienischen Gastronomie tätig ist, dass man die vorverurteilen darf. Ganz im Gegenteil. Das sind genau häufig diejenigen, die unter dem System Mafia
besonders leiden. (off:) Die nächste Station: Eine Lagerhalle
an der holländischen Grenze. Hierher sollen
mehrere Ladungen Schnittholz aus Guyana geliefert worden sein. In einer Ladung versteckt
waren über 80 Kilogramm Kokain. Ehe es hier ankam,
wurde es in Rotterdam konfisziert. Und Reste von anderen Holzlieferungen
sollen hier noch liegen. Finden wir es? (Fragende Klänge) Bingo. Hier ist ein Getränkehandel. (Autotür wird geschlossen.) Moin. Milan Panek. (off:) Der Besitzer
will anonym bleiben. Aber das Holz hat er noch.
Und er will es uns zeigen. Hättest du auch nicht gedacht, ne? -
Nee. An die Männer
kann er sich noch erinnern. Sie hätten damals die Miete
für seine Lagerhalle nicht gezahlt. Hier.
- Also Krombacher-Anhänger. Das wird er sein. (Knirschende Schritte) (Metallische Laute) (Quietschen)
Ah ja. Hier ist das Tropenholz aus Guyana. (off:) Holz aus Guyana. In die Pampa am Niederrhein. Ihnen kam das damals
nicht spanisch vor? - Nö. Dann standen die hier
plötzlich mit 15 Leuten und haben das Holz verladen? Ja, abgeladen
und dann in die Halle gelegt. Und ich hab mir nichts dabei gedacht. Ich hab mir gedacht,
das ist für eine Schreinerei. Ich wusste ja nicht mal,
woher das Zeug kommt. Ich wusste nur, dass die von Rotterdam,
vom Hafen gesprochen haben, wo der Container stand. (off:) Und dort fahren wir jetzt hin. Denn die Niederlande
zählen zu einem Hotspot für den Kokainimport in Europa. 2023 wurden hier
60 Tonnen Kokain konfisziert. Wir treffen den Leiter
der Zollbehörde. Aus Sicherheitsgründen
nicht im Hafen selbst, sondern im Trainingscenter. Er zeigt uns ein beliebtes
Versteck zum Schmuggeln. (Ernste Musik) (englisch:) Der Zoll Rotterdam stellt uns
dieses Material zur Verfügung. Spezialeinheiten,
die genau in so einem Kühlcontainer nach Kokain suchen. (niederländisch:) (englisch:) Heute ist es an Schnüffelhund Max,
die Kokainattrappen zu finden. (Leises Gespräch) (englisch:) (angespannte Musik) Laut dem Kronzeugen
im Pollino-Prozess, ihr erinnert euch,
der Kokainbroker, habe beim Kokainimport jede
kriminelle Gruppierung ihre Aufgabe. Die 'Ndrangheta habe Kontakte
zu den Herstellern. Albanische Gruppierungen könnten
das Kokain aus dem Hafen holen. Durch Bestechung
von Hafenmitarbeitern. (Düstere Musik) Durch die Nähe zu den Häfen
Rotterdam und Antwerpen ist Nordrhein-Westfalen
besonders attraktiv für die italienische Mafia. Ebenso wie Hessen, Bayern
und Baden-Württemberg. Es entsteht eine Linie
bis nach Italien. Der Weg des Kokains. (Spannungsvolle Musik) Wir treffen Oliver Huth. Der LKA-Hauptkommissar zeigt uns
ein Schmuggelfahrzeug. Es wurde konfisziert
bei der Operation "Eureka". Die Operation, für die wir zu
Beginn dieses Films in Italien waren. Dieses Auto hat ein Kokainversteck
professionell umgebaut. Wissen Sie, wie viele Touren
mit diesem Fahrzeug gemacht wurden? Dieses Fahrzeug war im Besitz der
Tätergruppe ... ähm ... über drei Jahre. Wir gehen davon aus,
dass dieses Fahrzeug im Minimum eine Tonne Kokain
durch Europa transportiert hat. Dieses Fahrzeug?
- Ja. Wenn man den Straßenwert umrechnet,
hat sich der Umbau gelohnt. Definitiv. Summarisch rechnen wir der
Tätergruppe vor oder werfen ihr vor, dass sie Gewinne generiert hat
von über fünf Millionen Euro. Mit diesem Fahrzeug?
- Nur für den Transport. Es geht nicht
um den Verkaufswert der Ware. Der Verkaufswert liegt im
dreistelligen Millionenbereich. Das Kokain später auf dem Markt
in Mailand, in Süditalien. Wahnsinn.
- 138 Millionen plus. Das Haargummi gehört ... Der Täterin, irgendeiner. Das ist auch privat genutzt worden,
deswegen sind Hundehaare drin. Das Haargummi ist von der Täterin?
- Ja. Kein Asservat,
brauchen wir nicht mehr. Aber die Täterin haben Sie schon,
oder? Ja, die sitzt. Die hat jetzt zwölf Jahre gekriegt,
eine. (off:) Jetzt noch mal alles in Ruhe. So. Da sind wir,
in meinem zweiten Zuhause. Das sind
die ganzen Ermittlungserfolge? Nee, das kriegt man im
internationalen Kontext im Austausch. Als Dankeschön oder so. (Leises Gespräch) Wenn Sie sich fragen,
warum die 'Ndrangheta so erfolgreich mit anderen Krimi-
nalitätsgruppen zusammenarbeitet, wie der albanischen OK
südamerikanischen OK, dann gibt's da
ein entscheidendes Kriterium, das ist der Grad des Schweigens. Das hat was damit zu tun, dass die 'Ndrangheta familienbasiert
arbeitet, abgeschottet. Das heißt, sie sind auf der Skala
des Schweigens ganz oben, das ist schon mal sehr lukrativ. Das Zweite ist,
dass die 'Ndrangheta das gemacht hat, deswegen kriegen die auch
die Kontakte in Südamerika, zu den Kartellen. Sie kann wie eine internationale
Company darstellen, wo das Kokain landet,
und zwar in jedem Land in Europa. Aus Ihrer Ermittlerperspektive,
konnte die 'Ndrangheta in den letzten Jahren eher
stärker oder schwächer werden? Nach meiner Bewertung
wird sie stärker, nicht nur in Deutschland,
sondern auch international stärker. Die Familien expandieren. Also, ich kenne kaum
eine Organisation im Bereich
der organisierten Kriminalität, die im gewerblichen Sektor so
erfolgreich ist wie die 'Ndrangheta . Deswegen ist sie
eine der dominantesten Gruppierungen, die wir im europäischen Kontext
und im internationalen Kontext sehen. Und dementsprechend wahrscheinlich
eine der gefährlichsten, oder? Wer Geld hat, hat auch Macht,
und wer Macht hat, ist gefährlich. Wie viel Einfluss könnte die
'Ndrangheta in Deutschland haben? Baden-Württemberg in den 90ern. Mario L., ein Promi-Gastwirt
und Ex-Duzfreund vom ehemaligen Ministerpräsidenten
Günther Oettinger. (Langsame Musik im Hintergrund) Der Mario ist
einer meiner besten Freunde. Wir müssen Kosten sparen,
er arbeitet völlig kostenfrei. 2018 wird Mario L. verhaftet,
und Oettinger distanziert sich. Seit 2024 ist Mario L.
rechtskräftig verurteilt. Er war Stadthalter
eines 'Ndrangheta-Clans. und hatte italienische Gastwirte
in Deutschland erpresst. Thüringen. Nach MDR-Recherchen
wurden in den Nullerjahren Ermittlungen
zur 'Ndrangheta eingestellt. Daraufhin gab es einen
Untersuchungsausschuss im Landtag. Ergebnis? Ein Richter hat einen mutmaßlichen
'Ndranghetisti regelmäßig vor Ermittlungen gewarnt. (Ruhige Musik) Wie stark würdest du das jetzt
sehen in Deutschland, die Verbindung zwischen
'Ndrangheta und der Lokalpolitik? Diese vollkommene Integration
in der Gesellschaft und Zugang zur Politik
hat dazu geführt, dass auch der Kampf gegen die Mafia
eigentlich nicht priorisiert wird. Und das ist eben,
was es gefährlich macht. Also, wenn wir sprechen
von Korruption, nein, ich glaube nicht,
dass das Problem Korruption ist. Ich glaube, dass wir aber in
einem Szenario praktisch leben, wo es unglaublich schwierig ist,
gegen diese Organisation vorzugehen. Und es ist schwierig
aus drei Gründen: Weil die Organisation so aufgebaut
ist als Konföderation von Clans, dass es unglaublich schwierig ist,
das strukturell zu ermitteln. Zweitens,
weil ein Kontakt zur Politik da ist. Dieser Kontakt muss nicht
korrupt sein, aber existiert. Und drittens, weil diese Organisation
in der Gesellschaft integriert ist. Und deswegen auch die Gesellschaft
selber nicht das Problem sieht. Hat die Bundespolitik die
Gefahren durch die 'Ndrangheta stark genug im Fokus? Moin. Hey!
- Hallo, hi! Danke, dass Sie es
einrichten können. - Gerne. Marcel Emmerich ist einer der
wenigen Bundestagsabgeordneten, die sich regelmäßig
zu Mafiathemen äußern. Auf politischer Ebene
liegt der Fokus im Allgemeinen sehr stark
auf der sogenannten Clankriminalität. Dadurch wird natürlich das
Problem der italienischen Mafia hier in Deutschland unterschätzt,
vielleicht auch negiert. Aber ich glaube, das Entscheidende
ist schon auch für Politik, Gesellschaft und auch die Justiz,
dass man seine Aufmerksamkeit auf die italienische organisierte
Kriminalität richtet und das auch sehr klar benennt. Weil das ist ja genau das, was
die italienische Mafia nicht möchte. Sie will nicht, dass man
über sie redet, sie will nicht, dass sie irgendwie aneckt. Und deswegen ist es
auch entscheidend, dass natürlich das aber dann passiert und dass man nicht
ihr Spiel mitspielt, sondern dass man über sie spricht
und auch handelt. Wir wollen sprechen. Vielleicht am besten da,
wo die Mafia ihren Ursprung hat. Das Dorf San Luca in Kalabrien. (Ernste Musik) Das Dorf wird von Mitgliedern
auch "La Mama" genannt. Es gilt als Machtzentrum. Einige der Angeklagten
in den Verfahren, über die wir in diesem Film sprechen,
kommen aus dieser Region. (Ernste Musik) So, wir sind jetzt hier,
ich film mal ganz unauffällig. Wir sind jetzt im Dorf,
sind aus dem Auto ausgestiegen. Ist jetzt ein bisschen angespannt. (off:) Durch zwei 'Ndrangheta-Kriege
in der Vergangenheit starben in Kalabrien
knapp 1.000 Menschen. Als Fremde fallen wir natürlich auf. Wir werden die ganze Zeit beobachtet. Ein mulmiges Gefühl. (Beklemmende Musik) Wir laufen jetzt hier grade
ein bisschen durchs Dorf. Was auffällt, ist,
dass es extrem viel Leerstand gibt. Alle Jalousien sind runtergezogen. (off:) Was sonst noch auffällt, hier sind extrem viele Autos
mit deutschen Kennzeichen. (Beklemmende Musik) Wir laufen zum Rathaus. Anfang Juni wäre eigentlich
Bürgermeisterwahl gewesen. Die musste allerdings ausfallen. Es gab keine Kandidaten. Der Gemeinderat von San Luca
ist schon einmal aufgelöst worden. Wegen Unterwanderung durch die Mafia. Wir kommen hier mit Guiseppe
ins Gespräch. Er sagt uns, er habe 35 Jahre
lang für VW in Hannover gearbeitet. Nun soll er wieder in San Luca leben. Warum gibt's hier
so viele deutsche Kennzeichen? So viele Autos aus Deutschland? Ja, Gelateria.
- Gelateria. (off:) Die Arbeitslosenquote
in Kalabrien, vor allem bei Jugendlichen,
ist sehr hoch. Es gibt viel Arbeitsmigration. Stimmt nicht? Tatsächlich leiden viele
Einwohner unter dem Ruf von San Luca. Auch dass Journalisten wie wir
hier immer wieder einfallen. Aber laut Ermittlern gilt San Luca
als Geburtsstätte der 'Ndrangheta. Wichtige Entscheidungen
würden hier getroffen. Mehrere Familien aus San Luca sollen im internationalen
Drogengeschäft aktiv sein. Laut Behörden sitzen
von 3.500 Einwohnern über 200 wegen organisierter
Kriminalität im Gefängnis. Wenn man sich das hier so anguckt, kann man sich nicht vorstellen, dass hier
die 'Ndrangheta-Zentrale sein soll, von der aus weltweit ... Kokainschmuggel koordiniert wird
und organisiert wird. Sieht hier alles echt ... teilweise ziemlich
heruntergekommen aus. (Ruhige Musik) Hinter den ruhigen Fassaden
finden Fahnder regelmäßig Verstecke. 'Ndranghetisti tauchen hier ab,
um sich der Verhaftung zu entziehen. Die Verstecke
sind aufwendig konstruiert, um hier monatelang zu leben. (Beklemmende Musik) Da ich kein Italienisch spreche, unterstützt mich der Journalist
Alberto Nerazzini. Wir versuchen, den ehemaligen
Bürgermeister zu erreichen. Warum gibt es keine Nachfolge? (italienisch:) Die Polizei ermittelt
gegen den ehemaligen Bürgermeister wegen verschiedener Delikte. Geprüft wird auch,
ob es einen Mafiabezug gibt. Der nächste Tag. Wir sind wieder in San Luca und
bekommen für heute Polizeischutz. (Düstere Musik) Plötzlich drängelt sich ein Smart
vor, mit deutschem Kennzeichen. Die Insassen bemerken,
dass ich filme. Ich mache schnell die Kamera aus. Sie stoppen uns und maulen uns an. Die Jungs in dem Auto
waren gar nicht erfreut. (Stimmengewirr im Hintergrund) Sind uns hinterhergefahren und
haben gefragt, was wir hier machen. Da musste die Polizei
die Jungs beruhigen. Als der Polizist
mit ihnen gesprochen hat, ist er zu uns gekommen
und hat gesagt, dass sie
einer bekannten Familie angehören. (off:) Uns dämmert, dass wir offenbar zu einem
besonderen Anlass in San Luca sind. Worum geht's hier heute?
Was ist das für ein Fest? Das ist die Feste von San Antonio. (off:) Geehrt
wird der heilige San Antonius, ein katholischer Schutzheiliger. In der Kirche dürfen heute
ausschließlich Frauen beten. Uns fällt
eine untypische Deckenmalerei auf. Ein Polizist erzählt uns
hinter der Kamera, es soll das Leid der Angehörigen durch die Fehde in Duisburg
symbolisieren. (Eine Frau spricht Italienisch.) (Heitere Marschmusik) Nun verlassen die Frauen die Kirche. Sie laufen durch das Dorf. (Knall) Während sich am Straßenrand
die Männer sammeln, als seien sie bei einer Parade. Was geht hier ab? (Stimmengewirr) Ein Polizist erklärt es
Francesca, unserer Kamerafrau. (englisch:) Vielleicht erinnert ihr euch noch
an den Sechsfachmord von Duisburg vor dem Restaurant "Da Bruno". Die Fehde zwischen
den beiden Mafia-Clans ist damals durch arrangierte
Hochzeiten geschlichtet worden. Ich begegne noch mal
den drei Jungs im Smart. Heute Morgen waren sie ja
nicht so gut gelaunt. Was denkt ihr eigentlich?
Ihr lebt ja hier, ne? (Jemand spricht unverständlich.) Ohne Kamera. Ohne Kamera. Ich hab mich sehr lange
mit den Jungs im Smart unterhalten, die uns ja anfänglich
mehr oder weniger angehalten haben, als wir ins Dorf reingefahren
sind und gestoppt haben. Ich hab die angesprochen wegen
dem deutschen Kennzeichen. Der eine arbeitet in Düsseldorf
im Eiscafé. Und der andere arbeitet
in München auch an der Gastronomie. Und beide haben noch mal gesagt,
dass es hier keine Chancen gibt und quasi alle in Deutschland
arbeiten müssen. Aber Mafia würde es
angeblich nicht geben und so. Das seien alles nur Gerüchte. Es ist das eiserne Gesetz, das
Erfolgsgeheimnis der 'Ndrangheta: nicht darüber reden. Und so sieht und hört man nichts
von der Mafia in San Luca. (Düstere Musik) (Langsame Musik) Aus dieser Region
kommt auch ein Mann, der einen anderen Weg gegangen ist. und sich entschieden hat,
über die 'Ndrangheta zu reden. Am liebsten vor Gericht. Giovanni Bombardieri ist Leiter
der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft. (Ruhige Musik) Sich frei zu bewegen,
ein normales Leben zu führen, ist für ihn unmöglich geworden. Er lebt unter
ständigem Polizeischutz, getrennt von seiner Familie. (Unheilvolle Musik) Bombardieri koordiniert viele
internationale Ermittlungen gegen die 'Ndrangheta. Auch die Operation Pollino
und Eureka aus diesem Film. (englisch:) San Luca
ist ein scheinbar armes Land. Es ist ein Land,
aber in diesem ganzen Gebiet gibt es keine florierenden
wirtschaftlichen Aktivitäten. Aber die Vermögen der 'Ndrangheta
existieren in ganz Italien. Sie sind im Ausland. Es ist klar, dass sie versucht,
in Gebieten zu investieren, die nicht zur Familie der
'Ndrangheta rückverfolgbar sind. (off:) Laut Bombardieri
werden in San Luca nach wie vor alle wichtigen
Entscheidungen getroffen. Auch Mitglieder im Ausland fahren
extra in das sogenannte Mutterhaus, um dort die Genehmigung für
kriminelle Operationen einzuholen. Was in Wirklichkeit
nicht übersehen werden darf und was sehr wichtig ist, ist, dass jede Person, die mit
den Familien in Verbindung steht, nur deshalb am Drogenhandel
beteiligt sein kann, weil sie zu dieser Familie gehört. Denn sonst hätte sie
keine Möglichkeit, mit den südamerikanischen
Kartellen zu interagieren. Sie hätte keine Möglichkeit, mit anderen kriminellen
Organisationen zu interagieren, deren Legitimität sich
aus ihrer Zugehörigkeit zu einer 'Ndrangheta-Familie ergibt. Der internationale Drogenhandel
wäre sowohl in San Luca als auch in Mailand und in anderen
Teilen Italiens nicht möglich, wenn sie nicht mit der 'Ndrangheta-
Familie in Verbindung stünde. Bombardieri sagt also, erst
die Zugehörigkeit zur 'Ndrangheta gibt einer Person
die nötige Legitimität, um überhaupt mit südamerikanischen
Kartellen arbeiten zu können. (Ruhige Musik) In einem Pollino-Verfahren
in Düsseldorf wurde mittlerweile
ein weiterer Angeklagter verurteilt. Für Drogenhandel. Aber nicht für die Mitgliedschaft
in der 'Ndrangheta. Das Urteil ist
noch nicht rechtskräftig. Auch bei
zwei weiteren Angeklagten sieht das Gericht bisher die
Mitgliedschaft in der 'Ndrangheta offenbar als nicht erwiesen. Ein Urteil wird 2025 erwartet. Die 'Ndrangheta, einer der mächtigsten Player
im internationalen Kokaingeschäft. Aber ein Phantom
für die deutsche Justiz? Wir haben jetzt
ganz viel darüber gelernt, wie die 'Ndrangheta im Verborgenen,
im Stillen arbeitet. Es gibt aber auch
Mafiagruppierungen, die sich öffentlich gerne inszenieren und damit auch
ihre Macht demonstrieren. Die Kolleginnen und Kollegen
von "Atlas" haben einen Film drüber. Hier empfehlen wir euch
noch einen Film von den MDR-Journalistinnen
und Journalisten, zur 'Ndrangheta in Ostdeutschland.
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