Snapchat, TikTok oder Instagram. Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist ein Leben ohne soziale Medien nur schwer vorstellbar. Aber ab wann sollten Kinder Social Media nutzen dürfen? Viele Eltern entscheiden das aus dem Bauch heraus. Jetzt gibt's eine wissenschaftliche Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldiener. Die redt kein Social Media unter 13 Jahren und danach bis 17 nur eingeschränkt. Die Wissenschaftler warnen, dass soziale Medien die Gesundheit und die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen können. Wie schwer es vielen fällt, das Handy auch nur einen einzigen Tag wegzulegen, das zeigt dieses Experiment. Svenja, Kiara, Ilka und Timo aus Bielefeld sind 13 bis 16 Jahre alt. Ohne Social Media geht für sie normalerweise gar nichts. Ich bin halt so, ich gehe direkt an mein Handy, um erstmal wach zu werden und dann gucke ich halt TikTok, damit ich erstmal quasi mich daran gewöhne, dass ich wach bin. Doch für ein Experiment verzichten sie einen Tag lang komplett auf soziale Medien und erzählen in kurzen Videos, wie es ihnen damit im Laufe des Tages geht. Guten Morgen. Es ist 10 Uhr. Ich bin so vor ein halben Stunde aufgestanden und ich kann sagen, es ist jetzt schon sehr schwer. Also, ich gehe jetzt schlafen, weil ich schlafe ganz Tag. Man braucht eigentlich Social Media richtig zum Überleben als Teenager, aber ich würde es nicht, ich würde ab und zu meine Pause nehmen. So Leute, das ist jetzt Nachmittag und sonntags ist immer so bei mir, dass ich mit mein Freund mein Bruder rauskomm Fußball zu spielen, weil Sport denke ich eigentlich gar nicht ans Handy, weil wir da einfach Spaß haben. Ich bin auch gespannt, wie nachher mein TikTok aussehen wird oder mein Snapchat, wie die Nachrichten expodiert sehr werden, weil ich w nicht kommun kommuniziere sehr viel. Immerhin war das aber ja nur ein Tag ohne Social Media. Wir wollen das noch mal einordnen mit Ralf Herdwig, Direktor am Max Plan Institut für Bildungsforschung in Berlin. Schönen guten Tag. Guten Tag, Frau Schlaß. Ja, wir haben es gehört. Ich brauche Social Media zum Überleben, haben einige sogar gesagt, oder zumindest zum Wach werden, aber es gibt, das ist die erfreuliche Nachricht auch noch Kinder und Jugendliche, die rausgehen und Fußball spielen. Welche Folgen beobachten Sie bei Kindern und Jugendlichen, die regelmäßig soziale Medien nutzen? Ja, das ist eine zentrale Frage und ich glaube, es geht eher um die Frage, wie das Handy genutzt wird und insbesondere bei was man riskantes oder auch sogar suchtartiges Verhalten nennt, Nutzungsverhalten, da finden wir insbesonderen Zusammenhang mit einer Reihe von äh psychischen Problemen. Und diese Probleme, die reichen von Angst, Depression, Körperbildstörung, die können bis zu suizidalen Gedanken reichen und die können auch ganz andere Effekte haben, wie beispielsweise eine eingeschränkte Lese äh und Rechtsschreibefertigkeit, aber auch Schlafprobleme. Das heißt, der zentrale Punkt ist nicht die Nutzung, sondern die Art und Weise, wie es genutzt wird. und mit risikoreich und suchtartig. Was damit gemeint ist das und das wurde ja auch schon im Film ein bisschen beschrieben, dass man große Mühe hat, das Handy überhaupt noch wegzulegen, dass man auch Entzugssymptome bekommt und dass bestimmte andere wichtige Dinge, die man am Tag tun sollte, auch wichtige Entwicklungsaufgaben für Kinder und Jugendlichen auch nicht mehr in dem Maße durchgeführt werden können. Um vielleicht auf diesen Punkt noch mal zu kommen, was ist es, was diesen Suchtfaktor, diese Sogwirkung ausmacht? Es gibt bestimmte äh man nennt das Funktionalitäten innerhalb der sozialen Medien. Also bestimmte Dinge, die dazu führen, dass man ganz dass man dass ganz schwer aus einem ganz schwer fällt, sich davon zu befreien. Und ich glaube, wir können auch als Erwachsene äh und uns damit sehr gut in Beziehung bringen. Das sind so Dinge wie ja, das sind äh dass Filme ständig durchlaufen. Ähm, also Autoplay nennt man das, oder dass es das äh endlose Scrollenäh gibt oder auch, dass es diese Pushnachrichten gibt, die uns dazu auffordern, doch jetzt weiterzumachen und dabei zu bleiben und dieses Potenzial äh suchtartiges Verhalten aufzubauen, das ist besonders problematisch im Kontext von sozialen Medien und das ist unabhängig davon, was die Inhalte sind, weil die Inhalte selber können natürlich auch äh in vieler Hinsicht nicht altersgerecht sein. Sie sprechen es an. Welche Rolle spielt also das Alter der Kinder und Jugendlichen dabei, gerade wenn sie in einem Entwicklungsstadium sind? Ja, das ist auch eine ganz wichtige Frage, aber die ist auch nicht so ganz einfach zu beantworten, weil es bei jungen Kindern äumen Studien gibt, die sich das im Detail angucken. Natürlich kann man vermuten, dass je jünger die Kinder sind, das heißt, desto weniger solche kognitiven Kompetenzen wie z.B. Selbstkontrolle oder Selbstregulation ausgeprägt sind und die müssen natürlich weniger ausgeprägt sein bei jungen Kindern, dass die umso mehr insbesondere auf jene Faktoren ähäh ansprechen und damit auch abhängig werden äh die von den sozialen Mädchen auch vorgenehmen werden, die Dinge, die wir gerade besprochen haben. Können Sie das vielleicht noch mal an dem Beispiel konkret machen? Also, also was ist es? Wir haben über die Form gesprochen, also schnell durchgescrollte Videos, aber was ist es, was einen dann da hält und vielleicht auch dazu bringt, nichts verpassen zu wollen? Ja, das sind genauso die Dinge, die sie wir alle kennen, äh dass wir den nächsten Inhalt auch noch sehen wollen oder dass wir bestimmte, dass wir das Gefühl haben, äh, dass wir was verpassen, wenn wir nicht auf den sozialen Medien sind, dass wir auch Sozialkontakte verpassen äh oder andere bestimmte wichtige Inhalte. Und dieses Gefühl, dass man Dinge verpasst, äh die machen es natürlich ganz bestimmt, ganz besonders schwer ist sich dann da auch äh zu sagen, bis hierhin und nicht weiter und jetzt äh lege ich mal das Handy zur Seite. Und was würde dann eben so eine empfohlene Altersbeschränkung bringen und wie gut lässt es sich praktisch dann auch umsetzen? Ja, ist eine gute Frage. Ähm, aber wir müssen uns vergegenwärtigen, dass wir gegenwärtig beispiels beispielsweise bei 6 bis 7jährigen bereits 10 % von Kindern auf den sozialen Medien haben und wir haben bei 10 bis 11-jährigen sind es 46%. Das heißt, wir haben äh eine ganz substantielle Anzahl von Kindern, die eigentlich von den Inhalten und auch von der Funktionalität dieser sozialen Medien überfordert sind. äh die wir dann äh wenn es diese Altersbeschränkung gäbe, also dass beispielsweise äh Kinder, die jünger als 13 Jahre äh alt sind, nicht auf dem sozialen Medien sein sollten. Diese Kinder wären dann nicht mehr auf dem sozialen Medien. Für drüber hinaus empfehlen wir auch, dass für Kinder zwischen und Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren das auch eine altersgerechte Ausgestaltung der sozialen Medien gäbe. Das betrifft sowohl die Inhalte wie wiederum auch die Funktionalität. Das klingt nach einem frommen Wunsch und man bräuchte Kontrolle z.B. durch die Eltern. Wie weit kann und sollte man Kinder und Jugendliche, aber eben auch die Eltern dabei besser aufklären und begleiten, wenn wir ja gehört haben, die entscheiden oftmals aus dem Bauch heraus, ab wann die Kinder soziale Medien nutzen dürfen. Also, es ist zunächst mal kein frommer Wunsch, weil Altersverifikation ist umsetzbar. Also, wir können im lange Jahre nicht umsetzbar, verlässlich umsetzbar, aber schon im Laufe des nächsten Jahres wird es die sogenannte EU Digital Identification Wallet geben und mit dieser Wallet kann jeder von uns auch sein Alter verifizieren und damit wäre diese 13 Jahre als strenge Grenze sehr wohl umsetzbar. Sie sprechen aber noch einen anderen Punkt an, der uns auch sehr wichtig ist und den wir auch empfehlen, nämlich wir brauchen eigentlich auch eine Bildungsoffensive. eine Bildungsoffensive in den Kitas, in den Schulen, aber auch Gesamtgesellschaft, wo wir gesellschaftlich, wo wir sowohl über die Risiken wie auch die Nutzen von sozialen Medien sprechen und in den Schulen vor allem dann auch die Kompetenzen im Umgang mit den sozialen Medien in den Vordergrund stellen. Und wie könnte man das machen, wenn z.B. die Kinder und Jugendlichen Eltern vielleicht zu Hause selbst auch die ganze Zeit am Handy oder Tablet scrollen sehen? Ja, sie haben völlig recht. Das ist ein großes Thema und es ist natürlich auch so, dass was Eltern tun, äh das beeinflusst auch die Kinder. Die geben ein Modell ab für äh für die Kinder. Das bedeutet aber auch, wir müssen mit äh Eltern darrüber reden, dass sie eine Vorbildfunktion haben und dass ihr Umgang mit den sozialen Mädchen auch ihre Kinder beeinflussen wird. Aber und das ist wichtig, es geht auch darum, äh die Plattform stärker in der hinsicht zu regulieren, was Inhalte anbetrifft. Und wenn Sie an andere Mädchen denken, da haben wir ja gar keine Mühe damit zu sagen, dass bestimmte Inhalte nicht an Kinder und Jugendliche gehen sollten. Und die Frage ist, warum sollten wir nicht in der Lage sein, das auch bei den sozialen Medien durchzusetzen? Also wiederum ich halte es nicht für ein frommen Wunsch, sondern eigentlich für gesunden Menschenverstand. Dann ziehe ich den frommen Wunsch zurück. Ralf Hertwig, Direktor am Max Plan Institut für Bildungsforschung. Vielen Dank. Sehr gerne. Danke.
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